Minister Karl-Josef Laumann zu Gast im Mühlenkreis

Besuch des Rahdener Ärztehauses und Diskussionsrunde

Die Sache mit dem Ärztemangel auf dem Land kennt Karl-Josef Laumann (CDU) selbst nur zu gut. Der NRW-Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales lebt mit 7.500 anderen Menschen in der münsterländischen Ortschaft Hörstel. Von den ehemals drei örtlichen Ärzten ist einer übrig geblieben. "Und wenn dann die Grippewelle kommt, wird’s schwierig", sagte der Landespolitiker im Rahdener Westfalen Hof.

An seiner Seite saß da die örtliche Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (CDU). Sie hatte den Gesundheitsminister bei seinem Besuch im Mühlenkreis für zwei Termine zum Thema der ärztlichen Versorgung auf dem Land gewinnen können. "Das Thema begegnet mir in meinem Wahlkreis immer wieder und liegt mir auch persönlich sehr am Herzen", sagte die Preußisch Ströherin. Nach dem Besuch des Ärztehauses im Stadtkern Rahdens diskutierten Experten und Betroffene aus Politik und Gesundheitswesen im Westfalen Hof ihre Erfahrungen zur Problematik.

Für Gleichwertige Lebensverhältnisse

Laumann platzierte seine Grundüberzeugung direkt zu Beginn: "Genügend Ärzte sind unerlässlich. Ich will sie im Ruhrgebiet, in Düsseldorf und ich will sie auch im ländlichen Raum. Das ist eine ganz wesentliche Frage von gleichwertigen Lebensverhältnissen."

Als einen "ersten, wichtigen Schritt in die richtige Richtung" auf dem Weg zu diesem Ziel bezeichnete Hausarzt Jens Gottfriedsen beispielsweise das Rahdener Ärztehaus. "Aber es ist eben auch nur ein erster Schritt." Das sah auch der Rahdener Bürgermeister Bert Honsel so und nannte als weitere Kriterien die weichen Standortfaktoren wie ausreichend Kindergartenplätze, gute Schulen und ein angemessenes Freizeitangebot. "Das ist unser Job und betrifft den gesamten Fachkräftemangel", sagte Verwaltungschef Honsel.

Medizinische Fakultät in OWL

Karl-Josef Laumann lobte die bisherigen Bemühungen in Rahden und räumte ein, dass die Politik das Thema der hausärztlichen Versorgung in der Fläche lange vernachlässigt habe: "Vor allem haben wir viel zu lange nur über Fachärzte gesprochen und zu wenig über Allgemeinmediziner." Zum Zeitpunkt der Regierungsübernahme in 2017 habe es in NRW gerade mal eine Professur für Allgemeinmedizin gegeben. "Viel zu wenig", findet Laumann und hat dies deshalb geändert. Ein weiteres Projekt des Ministers ist die neue medizinische Fakultät in Bielefeld ("ein echtes Flaggschiff"). Die NRW-Koalition erwartet, dass so über den Klebeeffekt mehr Mediziner nach dem Studium in Ostwestfalen bleiben.

Überhaupt plädierte Karl-Josef Laumann in Rahden einmal mehr für eine höhere Zahl an Studienplätzen im Fach Medizin: "Seit ich Politik mache, ist die Zahl der Plätze gleich hoch geblieben." 2.000 waren es in NRW, die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber lag derweil zehn mal so hoch. Laumann: "Anders als in der Pflege ist die Nachfrage danach, Arzt zu werden, groß." In einem ersten Schritt erhöhte er daher die Zahl der Medizinstudienplätze von 2.000 auf 2.400. "Alles, was ich mache, wirkt erst in Jahren", räumte Laumann ein. Aufgrund dessen setzt er auch darauf, Mediziner aus den Krankenhäusern für die hausärztliche Versorgung zu gewinnen.

Landarztquote

Und dann ist da noch die neue NRW-Landarztquote. Abiturienten können nun auch ohne Spitzenabitur Medizin studieren, wenn sie danach für zehn Jahre in ein unterversorgtes oder von Unterversorgung bedrohtes Gebiet gehen. Lob gab es dafür auch von Ärzten der Versammlung sowie von Bianca Winkelmann: "Die Qualität eines Arztes misst sich in meinen Augen vor allem nicht nur an der Abiturnote", ist die Landtagsabgeordnete überzeugt. "Unser Land ist da Vorreiter."

Bürgermeister Bert Honsel sprach auch im Namen des anwesenden Lübbecker Bürgermeisters Frank Haberbosch in Richtung von Laumann das inzwischen verworfene Medizinkonzept der Mühlenkreiskliniken an. Der Rahdener Verwaltungschef berichtete von den Folgen für die MKK-Standorte in Lübbecke und Rahden, von dem großen Protest mit rund 25.000 Unterschriften und der Unsicherheit im Mühlenkreis. "Die Kreispolitik und der MKK-Verwaltungsrat haben da eine große Verantwortung", sagte Laumann. Maximal 30 Minuten Fahrzeit dürfe die Entfernung zum nächsten Krankenhaus betragen. Wichtig seien aber auch schwarze Zahlen, sagte Laumann. "Wenn ein Krankenhaus sich wirtschaftlich durch ausreichende Nutzung und Inanspruchnahme der Bevölkerung tragen kann, wird es auch in Zukunft keine Probleme haben", sagte Laumann in Richtung von Bert Honsel.


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