Wo drückt den Erzieherinnen im Mühlenkreis der Schuh?
Tagtäglich müssen die Mitarbeiter von Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen auf das Thermometer im Kühlschrank blicken. Denn es gilt, die Temperatur zu überprüfen. Das ist nur eine von zahlreichen Regeln und Verordnungen für Kitas, die in den vergangenen Jahren in NRW auf den Weg gebracht wurden. Bernhard Tenhumberg blickt kritisch auf diese Entwicklung.
Der familien- und kinderpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ist überzeugt: „Man muss auch mal den Erzieherinnen vertrauen dürfen, die sich vorbildlich um unsere Kinder kümmern. Es muss nicht alles dokumentiert werden.“
Gespräch mit Erzieherinnen
Begonnen wurde sein Besuch im Mühlenkreis morgens im Espelkamper Bürgerhaus. Winkelmann hatte Kita-Leiterinnen aus ihrem Wahlkreis zum Hintergrundgespräch eingeladen. „Wo drückt Ihnen der Schuh?“, fragte die Christdemokratin. Und das ist einiges. Zu viele Vorgaben, zu wenig Personal und zu viel Stress machen den Beruf nicht einfach.
„Es muss mehr Geld in das System“, wurde Berhard Tenhumberg deutlich. Und er ließ Zahlen sprechen. In NRW würden etwa 64.000 Kita-Plätze fehlen. „Andere Bereiche müssen dann eben mal hinten anstehen. Dann wird die Sanierung einer Brücke vielleicht mal nach hinten verschoben. Kinder sind nunmal unsere Zukunft“, meinte Tenhumberg. In den Kitas würde der Grundstein für das Leben gelegt. Deshalb würden die Erzieherinnen mehr Anerkennung verdienen – und mehr Geld. „In Skandinavien verdienen die Erzieherinnen oft mehr als die Lehrer an den Schulen“, meinte der Sozialpolitiker. Die anwesenden Erzieherinnen hörten derweil aufmerksam zu.
Beitragsfreie Kitas?
Kritisch sieht Tenhumberg die jüngsten Forderungen aus der SPD, die Kita-Beiträge abzuschaffen: „Solange das aktuelle System nicht funktioniert, können wir keine Beitragsfreiheit ermöglichen.“ Darüber hinaus müssten 20 Prozent aktuell ohnehin keine Beiträge zahlen. Weitestgehend ähnlich sieht das auch Bianca Winkelmann. „Wenn eine Beitragsfreiheit nur auf Kosten der Einrichtungen oder der Kommunen geht, ist das nicht mehr als eine Worthülse von der SPD“, sagte die heimische CDU-Kandidatin.
Besuch des Haldemer Kinderhauses
Im Anschluss an das Expertengespräch ging es für Tenhumberg und Winkelmann noch zum heilpädagogischen Kinderhaus in Haldem. Thomas Cordes und Michael Nießing führten durch die Einrichtung, in der derzeit 12 Kinder beheimatet sind. Die meisten von ihnen haben Missbrauch und Vernachlässigung hinter sich. Für viele ist das Kinderhaus nicht die erste Station. „Eine Fünfjährige, die zu uns kam, war zuvor bereits in sieben Einrichtungen. Sie galt als pädagogisch 'gescheitert' und uns ist es gelungen, sie über das Reiten langsam wieder aufzubauen“, erklärte Michael Nießing. Angesprochen auf das Thema der Förderschulen erklärten Nießing und Cordes, dass sie ohne Zweifel für Inklusion seien. Aber: „Die bisherige Art und Weise der Inklusion reicht nicht aus und wird nicht jedem gerecht“, sagte Nießing.